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Montag, 19. Februar 2018

1911-1937 Unter dem Pfadfinderkreuz

Im Jahre 1851 wurde in London Robert Stephenson Baden-Powell geboren. Er gilt als der Begründer der Weltpfadfinderbewegung. Baden-Powell nahm als englischer Offizier 1899-1900 am Burenkrieg teil, und dort, bei der Belagerung der Stadt Mafeking, setzte er zum erstmals Knaben für Späherdienste ein. Die jungen Leute haben sich dabei trefflich bewährt. Sie müssen Baden-Powell auf den Gedanken gebracht haben, eine friedliche Späher-Bewegung, die Boy-Scouts, zu gründen. Seine erste Pfadfindergruppe hat er im CVJM Birkenhead bei Liverpool ins Leben gerufen. 1907 fand das erste Pfadfinderlager in England statt.

Es dauerte nicht lange bis auch diesseits des Ärmelkanals derselbe Funke zündete. Der Stuttgarter Bankdirektor und Vorstand des Paulusvereins Johannes Knehr wurde durch einen Prospekt einer Hamburger Zeltausstellung auf die Idee gebracht, eine Art durchzuführen. So kam es zur Gründung der ´Christlichen Pfadfinderschaft´ (CP).

Wohl nur kurze Zeit später gründete Karl Flaig die erste Esslinger CP. Zu dieser Zeit hatte die CP noch militärischen Charakter und war auch so organisiert. Johannes Knehr trug den Titel ´Pfadfindergeneral´ und gehörte zum 4. Regiment.

1913 fand in Esslingen der erste Pfadfindertag statt, unter der Beteiligung von nicht weniger als 1100 Pfadfindern aus Esslingen und Stuttgart. Der Gottesdienst in der Frauenkirche und eine Kundgebung auf dem Marktplatz brachten der Bevölkerung Wesen und Ziele des Pfadfindertums näher.

1914 wird ein Antrag für die Umbenennung auf eine ´zivile´ Bezeichnung der Pfadfinder anstatt der Bezeichnungen wie ´Kompanie, Battaillon, Regiment,...´ gestellt, der aber leider abgelehnt wird.

Der Krieg von 1914-1918 hat diese Änderung dann zustande gebracht, aber er hat auch alles zerstört, was innerhalb der Pfadfunderbewegung in wenigen Jahren mit viel Idealismus aufgebaut worden war.

1921 wurde die Padfinderarbeit nach dem Krieg wieder ganz langsam aufgenommen. Die alten militärischen Bezeichnungen wurden abgeschafft und durch Sippe, Stamm, Gau und Bund ersetzt. Wesentlich bei der Neubelebung der Pfadfinderbewegung war die Besinnung auf ihren Namen ´Christliche Pfadfinderschaft´, die untermauert wurde durch die in Neudietendorf ausgearbeiteten Grundsätze. Auch bei der vielfältigen praktischen Arbeit stand immer die Bibel im Mittelpunkt.

1924-1928 wuchs die CP durch regelmäßige Landestreffen, sonntägliche Pfadfinderrast, Wochenend-, Truppen-, Gau- und Bundeslagern mehr und mehr.

1928 wird Eugen Klein (gen. EKlein) neuer Stammesführer und organisiert den Stamm grundlegend neu.

1929 wird die alte Pfadfinderkluft, bestehend aus alten Uniformen mit Breeches-Hosen, Koppel und Skimütze, abgeschafft und die uns heute traditionell bekannte Pfadfinderkluft mit Fahrtenhemd und Halstuch (kurze Hose) eingeführt.

In den folgenden Jahren beginnt in Deutschland die Arbeitslosigkeit, die von Jahr zu Jahr zunimmt und viele Familien in große Not stürzt. Hier sah der Esslinger Pfadfinderstamm eine Aufgabe und ein Betätigungsfeld, vor allem durch Geldsammelaktionen, von deren Erlös Lebensmittel für die bedürftigen Familien gekauft wurde.

1932 hat die Pfadfinderarbeit in Esslingen mit 155 Pfadfindern ihren Höhepunkt erreicht. Jedoch ziehen die ersten Schatten auf. Einige Pfadfinder sind zum Jungvolk übergetreten oder haben ihren Austritt erklärt. Lager wurden gestört, und die Störungen wurden begleitet durch die versteckte Drohung: "Über kurz oder lang müßt ihr ja doch!"

1933 wird die gesamte evangelische Jugendarbeit dem von der Partei eingesetzten ´Reichsbischof´ unterstellt, der von den sogenannten ´Deutschen Christen´ gegen die ´Bekennende Kirche´unterstützt wird. Trotz häufiger Störungen geht die Arbeit weiter. Eine machtvolle Kundgebung von 1200 Mädchen und jungen Männern vor dem evangelischen Gemeindehaus am Blarerplatz wird für lange Zeit die letzte öffentliche Kundgebung der evangelischen Jugend in Esslingen sein.

1934 werden durch den sogenannten Reichsjugendvertrag sämtliche evangelische Jugendorganisationen in die HJ eingegliedert. Dies bedeutet zugleich das Verbot der gesamten Jugendarbeit mit Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren. Hinzu kommt das Verbot für alle Verbände, eigene Uniformen tragen zu dürfen. Der Kirchenkampf nimmt scharfe Formen an und auch die Esslinger Pfadfinder erleben dies. Um einen Gottesdienst mit dem damaligen Prälant Schlatter feiern zu können, der von den ´Deutschen Christen´ gestört werden will, besetzen die Pfadfinder eine Nacht lang die Stadtkirche und bewachen sie gegen die Störenfriede. Am anderen Morgen bildet der gesamte Pfadfinder-Stamm an allen Portalen Gassen für die Kirchgänger.

1937 wird die CP offiziell aufgelöst, auch wenn die Arbeit in der Stille illegal weitergeht. Durch den Krieg werden jedoch auch die letzten Pfadfinder weggeholt und die Pfadfinderarbeit kommt zum Erliegen.